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Die Buchreihe „Stolperstein-Geschichten”

Die Idee einer Stolperstein-Buchreihe ist so alt wie unser Verlag. Zugegeben, unser Verlag ist noch nicht sehr alt – es werden demnächst erst 4 Jahre.

Doch von Anfang an war uns schon klar, dass wir uns dieser Aufgabe, die womöglich viele Jahre dauern wird, annehmen wollen. Der Eckhaus-Verlag greift die Idee des Bildhauers Gunter Demnig auf, den Opfern des Nationalsozialismus ein Denkmal zu setzen. Die Stolpersteine haben den namenlosen Toten wieder Namen und Daten gegeben, wir wollen zu den Namen die Gesichter zeigen und die Lebensgeschichten erzählen.

Schon zu Anfang war klar, dass wir diese Bücher vor allem für die Schulen machen wollen, und zwar für die Schulen derjenigen Stadt, in der auch die Stolpersteine liegen. Damit wollen wir den – unserer Meinung nach sehr wichtigen – Geschichtsunterricht mit greifbaren Beispielen bereichern. Die Anregung für diese Buchreihe geht auf unseren Cheflektor Ulrich Völkel zurück, der die Buchreihe als Herausgeber betreut.

Mit unserem Konzept haben wir erst einmal bei verschiedenen Städten angeklopft – mit überwältigendem Erfolg. Über 25 Stolperstein-Vereine und Koordinierungsstellen in verschiedenen deutschen Städten haben sofort Interesse bekundet. Wir haben uns aber entschieden, in unserer eigenen Stadt Weimar anzufangen. Nachdem das Buch „Stolperstein-Geschichten Weimar“ im Herbst 2016 fertiggestellt war, begann gleich die Arbeit an dem nächsten Projekt, „Stolperstein-Geschichten Aurich“. Diese Buch dürfen wir voller Stolz im Herbst 2018 der Öffentlichkeit präsentieren. Weitere Städte werden folgen, und hierfür brauchen wir weiterhin Ihre Unterstützung.

Die Bücher der Reihe „Stolperstein-Geschichten“ werden dank zahlreicher Sponsoren an die Schulen der Stadt verteilt, können aber auch käuflich erworben werden. Wir sehen einen wichtigen Effekt darin, den Lesern Geschichten aus ihrer eigenen Stadt zu präsentieren, um dem Geschichtswissen über die NS-Verbrechen ein deutliches und fassbares Gesicht zu geben.

Der Eckhaus Verlag sieht sich also einer großen Aufgabe für die kommenden Jahre gegenüber. Unser Engagement bei der Herstellung der Bücher ist dabei ehrenamtlich. Deshalb sind wir jederzeit dankbar für Sponsoren, die sich mit der Finanzierung eines Klassensatzes für die Schüler ihrer oder einer anderen Stadt engagieren. Auch einzelne Bücherspenden sind willkommen, diese fassen wir jeweils zu Sammel-Klassensätzen zusammen.

Ein Klassensatz umfasst 30 Bücher. Die Sponsoren können gern mitentscheiden, welche Schule oder Schulklasse den von ihnen gesponserten Klassensatz jeweils erhalten soll. In unserem Fokus stehen Gymnasien und Realschulen, aber auch weiterführende und berufsbildende Schulen sowie alle Orte (z.B. Bibliotheken und Gedenkstätten), an denen das Material jungen Menschen zugänglich gemacht werden kann.

Stolperstein-Geschichten Weimar

Es ist wichtig, den Geschichten ein Gesicht zu geben, um das Grauen fassbar zu machen und die Geschehnisse in die richtige Relation zu setzen. Die Wirkung, die eine Geschichte „von nebenan“ haben kann, habe ich selbst bei der Herstellung des Buches immer wieder erlebt. Es gab einige Stellen in diesem Buch, bei denen ich während des Layouts und Korrekturlesens sehr schlucken musste. Dies sind nicht die Stellen, an denen große Zahlen aufgezählt werden. Es sind die kleinen Dinge, die die Geschichten besonders grauenhaft erscheinen lassen.

Beispielsweise die von Dr. Ortlepp, über den wir nachher noch mehr erfahren werden. Seine Frau war Jüdin, und die Geschichte der beiden zeigt das Schicksal der vielen „Mischehen“ dieser Zeit. Vor die perfide Wahl gestellt, entweder seine Frau zu verraten oder mit ihr gemeinsam in Arbeitslosigkeit und Elend zu gehen, entschied er sich für seine Frau. Sie war fortan komplett von ihm abhängig, ihr Leben hing an einem seidenen Faden, den nur er beschützen konnte. Kaum jemand kann sich vorstellen, wie eine Ehe die Belastung durch solch ein Machtgefälle aushalten kann. Bedenken wir, dass die Menschen seinerzeit ja nicht wissen konnten, dass all das sechs Jahre später ein Ende haben könnte. Sie sahen sich nur einem bodenlosen Strudel von Hass und Verderben gegenüber.

Paul Ortlepp hat auf seine Frau aufgepasst, wo er nur konnte. Er konnte sie aber nur beschützen, indem er immer bei ihr war und sie auch nicht mehr alleine aus dem Haus gehen ließ. Schließlich geschah es, dass er für eine Dienstreise kurz von zu Hause weg musste. Diese kurze Abwesenheit nutzten Nachbarn, um die Gestapo zu alarmieren, welche seine Frau Lucy sofort abholte. Als Ortlepp nach Hause kam, war die Wohnung leer. Lucy wurde 1943 im KZ Auschwitz ermordet.

Noch mehr als alles andere an dieser Geschichte erschrecken mich diese Nachbarn. Hier ging es nicht um jemanden, der einen Stempel gesetzt oder eine Entlassung unterschrieben hat aus der Angst heraus, er würde selbst verurteilt, wenn er in dem System nicht „mitmachen“ würde. Wie blind vor Hass kann man sein, wie sehr sich für etwas Besseres halten, um anderen Menschen so etwas anzutun?

Ich finde, es ist von größter Wichtigkeit, dass wir die heranwachsende Generation davor bewahren, solche Nachbarn zu haben – oder zu werden.

Wenn man diese Geschichten kennt, ist es heutzutage schwer, wegzuhören und wegzusehen, wenn sich ähnliche Entwicklungen erneut am Horizont zeigen. Die sozialen Medien sind voll von Stimmen, die anderen Menschen das Schlimmste wünschen – aus verschiedenen Gründen, aber immer mit derselben mentalen Haltung im Hintergrund. Die Missstände dieser Welt lassen sich nicht mit Gewalt bekämpfen. Gewalt ist nie eine Lösung und war es auch noch nie. Ganz abgesehen davon sind viele dieser Missstände – genau wie das sog. „Judenproblem“ des dritten Reiches – gar keine realen Bedrohungen, sondern konstruierte Gefahren, die nur den Machtinteressen einzelner Gruppen dienen.

Unsere Autoren, Steffi von dem Fange, Jonny Thimm und Rüdiger Haufe, haben viel Arbeit in diese Geschichte gesteckt. Von vielen anderen Stellen erhielten wir Unterstützung bei der Suche nach verschollenem Bildmaterial und bei der Lizenzierung für dieses Buch.

Ich möchte auch unseren Mitarbeitern für die vielen Stunden danken, die sie für dieses Projekt gearbeitet haben. Mario Müller, der die Löwenarbeit am Layout geleistet hat, Uwe Adler für seine Entwürfe und seine Unterstützung bei der Sponsorenakquise und Nadine Turk, die auch Sponsoren akquiriert und viel Kommunikation für den Verlag geführt hat.

Auszug aus der Rede zur Buchpräsentation (2016) von Jana Rogge, Inhaberin des Eckhaus Verlags

Stolperstein-Geschichten Aurich

„Stolperstein-Geschichten Aurich“ ist nach „Stolperstein-Geschichten Weimar“ der zweite Band zu einer im Eckhaus Verlag erscheinenden Serie. In über 1.000 Orten Deutschlands und in zwanzig Ländern Europas liegen bereits Stolpersteine. Hinter jedem dieser Steine steckt eine Geschichte, die nicht vergessen werden darf.

Eine Recherchegruppe hat in jahrelanger Arbeit zu den vielen Stolpersteinen die Lebens- und Schicksalsdaten rekonstruiert – aber auch Kontakt zu Zeitzeugen und Angehörigen aufgenommen und so eine Brücke in die heutige Zeit geschlagen. Durch die Spurensuche, die in Aurich schon weit vor den Stolpersteinen einsetzte, werden die Schicksale dem Vergessen entrissen und auch Versöhnung möglich gemacht.

Zu den Biografien schaffen Rahmentexte wie ein Interview mit Gunter Demnig und ein Bericht über das Durchgangslager Westerbork (Niederlande) ein umfassendes Bild. Als Zusatzmaterial dient ein beigelegter Stadtplan der Stadt Aurich mit „Orten des Gedenkens“.

Aurich war einst Hauptstadt der Grafschaft und des späteren Fürstentums Ostfriesland, wovon noch heute prächtige Bauwerke zeugen. Zur Geschichte der Stadt gehört ein vielfältiges jüdisches Leben, dessen Anfänge bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen. Aurich ist ohne den Beitrag jüdischer Bürger kaum denkbar. 1933 machten sie 6,5 Prozent der Bevölkerung aus. 1940 war Aurich als Folge rassistischer Pogrome, Vertreibung und Ermordung „judenfrei“, wie es im Jargon der Nationalsozialisten hieß. Die Stadt war eines wesentlichen Teils ihrer „Seele“ beraubt.

Liest man die Biografien der in diesem Buch vorgestellten Personen, begreift man den Verlust, der der Stadt zugefügt wurde. Umso wichtiger sind die Bemühungen der Auricher Bürger, sich ihrer Geschichte zu stellen und durch Erinnerungsstätten Mahnmale des Gedenkens zu schaffen, die vor allem auch in die Zukunft weisen wollen: Nie wieder darf es ein solches Verbrechen geben!

Im Jahre 2011 verlegte der Künstler Gunter Demnig die ersten „Stolpersteine“, Steine von 10 mal 10 cm Größe, mit einer Messingplatte versehen, in die Name, Geburtsjahr und Todes- oder Vertreibungsdatum der Opfer eingraviert sind. Sie werden eingelassen vor den Häusern, aus denen einst die jüdischen Mitbürger vertrieben und in den Tod getrieben wurden. Inzwischen gibt es in Aurich 140 solcher „Stolpersteine“, es sollen einmal über 300 sein.

Zum Autor: Bernd-Volker Brahms, Jg. 1969, ist Journalist und stammt gebürtig aus Leer. Er ist Redaktionsleiter der “Volksstimme” in Stendal. Sein Geschichts- und Deutschstudium in Göttingen schloss er 2001 mit einer Arbeit über die Darstellung des Holocaust in der Literatur am Beispiel von Peter Weis` “Die Ermittlung” ab. Mit einem Journalistik-Stipendium des American Council on Germany konnte er 2004 in den USA zahlreiche Interviews mit Holocaust-Überlebenden führen. Zuvor hatte er bereits 2003 mehrere Monate bei der deutsch-jüdischen Zeitung “Aufbau” in New York gearbeitet. Neben historischen und politischen Themen gehört auch der Badmintonsport zu seiner Passion, er berichtete bereits von sechs Olympischen Spielen und zahlreichen Weltmeisterschaften.

So können Sie uns unterstützen

Klassensätze

Beschenken Sie eine Schulklasse Ihrer Wahl mit Unterrichtsmaterial

30 Bücher

Ein Klassensatz besteht aus 27 gepsonserten Büchern. Der Verlag legt noch 3 Bücher obenauf, also insgesamt 30 Bücher.
Kosten: 453,60 €

Einzelbuch

Auch kleine Spenden helfen uns weiter

1–5 Bücher

Aus einzelnen Bücherspenden bündeln wir entweder Klassensätze zusammen, oder geben solche Bücher an Bibliotheken und Gedenkstätten für die pädagogische Arbeit. Ein einzelnes Buch kostet 16,80 €

Freie Unterstützung

Auch Gelder für Recherche und Lizenzen sind willkommen

Unterstützung für die Autoren

Die Recherche der Biografien ist aufwendig und dauert Monate oder Jahre, Bildlizenzen aus öffentlichen Archiven sind teilweise auch kostenpflichtig. Wir freuen uns auch hier über Unterstützung.

Stolperstein

Helfen Sie, neue Stolpersteine zu verlegen

Verlegung neuer Stolpersteine

Es werden weiterhin Paten gesucht für die Verlegung neuer Stolpersteine. Wir leiten Sie gern weiter zu der jeweiligen Stolperstein-Koordinierungsstelle Ihrer Stadt.

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